Zugegebenermaßen habe ich dem Weltfrauentag am 8. März lange Zeit wenig Beachtung geschenkt. Nicht, weil ich der Meinung gewesen wäre, dass es die letzten fünfzehn Jahre im deutschsprachigen Raum keine nennenswerten Ungleichbehandlungen mehr gibt. Vielmehr hatte sich bei mir ein gewisses Gefühl der Resignation eingestellt: An nur einem Tag im Jahr wird medial auf dieses Thema aufmerksam gemacht, während an den übrigen 364 Tagen das Patriarchat weiterhin als gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Normalität gilt.
In meinen Zwanzigern und Dreißigern war ich zudem überzeugt, dass es vor allem eines selbstbewussteren Auftretens bedarf – gepaart mit einem gewissen Maß an Intelligenz und Selbstreflexion –, um gleichgestellt behandelt zu werden. Auch ich unterlag in den 2000er-Jahren dem Irrtum, dass mir ein maskulineres Erscheinungsbild im beruflichen Kontext den Weg auf der Karriereleiter erleichtern würde.
Heute sehe ich das anders. Meine Einstellung hat sich vor allem in den letzten zehn Jahren deutlich verändert – aus unterschiedlichen Gründen.
Zunächst halte ich es für falsch, den eigenen Kleidungsstil an eine männlich geprägte Arbeitswelt anzupassen. Gerade als Frau kann man aus einem großen Bekleidungsfundus schöpfen und seinen individuellen Stil entwickeln – feminin, leger, sportlich oder elegant. Außer einem gepflegten Erscheinungsbild ist heute der persönliche Kleidungsstil in den meisten Berufen kein ausschlaggebender Faktor mehr bei Gehaltsverhandlungen.
Eine weitere „Lesson learned“: Fleiß, Intelligenz und gute Arbeit sind noch lange kein automatisches Ticket nach oben. Nach wie vor spielen persönliche Beziehungen, Netzwerke und Seilschaften eine entscheidende Rolle. Auch wenn ich es lange nicht wahrhaben wollte – ein guter Kontakt an der richtigen Stelle ist oft mehr wert als zwanzig Überstunden pro Woche.
Gerade in der Netzwerkpflege haben wir Frauen meiner Meinung nach noch Potenzial. Gleichzeitig beobachte ich jedoch, dass sich die Kluft zwischen aktivistischen, feministischen Gruppen und starken Einzelkämpferinnen in den letzten Jahren etwas verringert hat. Viele Frauen positionieren sich heute selbstbewusst zwischen diesen Polen: Sie sprechen Ungerechtigkeiten offen an, engagieren sich in Frauennetzwerken und suchen gleichzeitig bewusst den Dialog mit ihren männlichen Pendants.
Zu dieser Gruppe zähle ich mich mittlerweile ebenfalls. In einem Punkt habe ich meine Haltung inzwischen deutlich revidiert: Gesetzlich verankerte Frauenquoten in der Wirtschaft richten vermutlich weniger Schaden an, als ich lange angenommen habe. Im Gegenteil - sie können ein notwendiges Umdenken anstoßen. Frauen in Top-Führungspositionen sind keine exotische Randerscheinung, sondern leisten selbstverständlich einen wesentlichen Beitrag zum Unternehmenserfolg.
Mit genau dieser Selbstverständlichkeit möchte ich im zweiten Teil dieses Blogs auf meine Kooperation mit dem Freigut Thallern eingehen. Das traditionsreiche Haus wird nicht nur von einer starken Frau - der Geschäftsführerin DI Katharina Graner - geführt, sondern weist auch einen bemerkenswert hohen Frauenanteil von rund 90 Prozent im Team auf.
Umso mehr freue ich mich, nun selbst Teil dieses Teams zu sein und meine Expertise bei Weinverkostungen an Gäste und Kunden des Freiguts weitergeben zu dürfen.
Kommunikationsexpertin Bernadette Steurer-Weinwurm bringt diese Kooperation sehr treffend auf den Punkt:
„Am Freigut Thallern wird Weingenuss 365 Tage im Jahr aus einem femininen Blickwinkel gelebt, nicht nur am Weltfrauentag“, unterstreicht Katharina Graner, Geschäftsführerin vom Freigut Thallern zu dem auch die Gebietsvinothek der Thermenregion und ein Boutiquehotel gehört. 90 Prozent der Belegschaft am Freigut sind Frauen und in der Gebietsvinothek der Thermenregion sorgt ab sofort Weinakademikerin Birgit Kowarik für frischen Wind. Mit dem von ihr gemeinsam mit Graner entwickelte Eventformat „uncorked“ schafft die Weinexpertin neue Weinerlebnisse für alle Sinne. Nach dem erfolgreichen Start der Serie unter dem Motto „Wein & Schokolade“ folgt am 6. März das „Wein ABC Österreich“ und am 17. April laden Kowarik und Graner zu einem vinophilen „Ländermatch Österreich : Italien“ auf das Freigut bei Gumpoldskirchen ein. „Der gesamte Monat März wird in der Gebietsvinothek den Weinen von Frauen aus der Thermenregion gewidmet“, betont Katharina Graner. Gemeinsam mit Birgit Kowarik wird in diesem Zeitraum eine Verkaufsfläche geschaffen, die exklusiv Weinen von Winzerinnen gewidmet wird. „Wir möchte so die Sichtbarkeit von Frauen in der regionalen Weinwirtschaft unterstützen und gleichzeitig den Beruf der Winzerin für junge Frauen in den Fokus rücken“, erklärt die Geschäftsführerin der Gebietsvinothek ihre Idee."
Weitere Infos siehe: www.freigut-thallern.at.
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